Von Eulen und Käuzen

Gestern in der Nacht waren wir wieder einige Stunden an der Stelle in den Weingärten, an der wir die jungen Waldohreulen gefunden haben. Jedoch haben wir uns bereits um halb 8 abends auf die Socken gemacht, um noch bei Tageslicht einige Vorbereitungen zu treffen. 

 

Dort angekommen hielten sich die Waldohreulen allesamt sehr gut versteckt. Ohne ihr Rufen waren sie für uns nicht zu entdecken. Also widmeten wir uns der auffälligen Lehmwand zwischen den Terrassen. Dort war uns nämlich ein horizontales Loch in der Erde aufgefallen, das bewohnt zu sein schien. Eine tote Maus lag am Eingang der Höhle sowie einige Eidechsenüberreste und eine leere Eierschale darunter. Außerdem gab es dort etliche Spuren von Schmelz (Vogelkot) am Eingang und direkt vor der Höhle. Also hinterließen wir unsere kleine in Tarnfarben lackierte Actioncam in dem Baum direkt vor der Höhle und verließen den Schauplatz für einige Stunden. 

 

Während die Actioncam in aller Seelenruhe den Eingang im Auge behielt, wanderten wir durch die Gärten weiter auf der Suche nach den Waldohreulen und anderen Bewohnern des Weingartens. Etliche Feldhasen und Rehe kreuzten unseren Weg in der Ferne, ebenso ein Turmfalke der sich vor dem Sonnenuntergang noch schnell sein Abendessen besorgte. Von den Waldohreulen fehlte hingegen weiterhin jede Spur. Wenn wir sie nicht am Abend zuvor gesehen hätten, würde man es nicht für möglich halten, dass sie dort sind. 

 

Die Sonne verschwand hinter den Hügeln als wir beschlossen, zurück zum Auto zu gehen um unsere Wasserflasche zu holen. Der warme Fön machte uns etwas zu schaffen. Als wir den Weg zurück stapften erblickten wir plötzlich Bewegung in der Ferne. Wir zückten das Fernglas und suchten die Lehmwand ab, die gut 100m vor uns lag. Da war er! Unsere Vermutung hatte sich bestätigt! Auf einem Holzpfosten, der die Weinstockreihe abschloss, saß ein kleiner Steinkauz im Halbdunkel. Reglos saß der da für einige ewig scheinende Sekunden, ein kleiner brauner Punkt in unserem Sichtfeld, und doch eindeutig erkennbar. Nur kurz hatten wir das Fernglas gesenkt und als wir ihn wieder suchten, war er so schnell weg wie er gekommen war. 

 

Das Wasser war vergessen und die Müdigkeit dahin, schnurstracks wanderten wir in die Nähe seines Sitzplatzes und positionierten uns in sicherer Entfernung mit Kamera, Teleobjektiv und Blitz. Nun waren wir es die regungslos vor dem Pfosten verharrten. Der Himmel wurde immer dunkler und unsere Umgebung blieb still. Sitzen, warten, nicht bewegen, Nieser unterdrücken (blöde Allergie) .. 

 

Ein Ruf, ähnlich dem Miauen einer Katze, nur lauter und durchdringender ertönte. Der Steinkauz begann zu rufen. Noch einmal. In langsamen regelmäßigen Abständen miaute es vor uns. Plötzlich änderte er seine Tonart. Ein schriller Schrei nach dem anderen, immer lauter und schneller werdend durchdrang die Dunkelheit. Scheinbar in Extase durchschnitten seine Rufe die Stille der Nacht. Dies waren also die berühmten Rufe des Steinkauzes, der vor vielen Jahren noch den Menschen einen Schauer über den Rücken trieb. Als Todesbote wurde der Steinkauz beschrieben, sein Ruf kündigte das Lebensende eines Menschen an, so sagte man. Ein alter Aberglaube, der dem Steinkauz einen schlechten Ruf einbrachte. Der markante Schrei kann einem Menschen sicher Angst einjagen, wenn man nicht weiß, dass eine kleine fluffige Flauschkugel ihn ausstößt. Der Gedanke bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.

 

Nun begannen auch die jungen Waldohreulen wieder mit ihren Rufen. Mindestens drei Stück konnten wir an den Schreien aus allen Richtungen differenzieren. Dieses laute Fiepen soll die Elterntiere animieren, ihnen Futter zu bringen. Sie konnten zwar schon fliegen und flatterten auch manchmal zwischen den Bäumen und Rebstöcken herum, doch ihre Jagdtechnik lässt in den ersten Wochen noch zu Wünschen übrig. So sind sie noch teilweise auf die Hilfe der Eltern angewiesen, um ihren enormen Hunger zu stillen. Leider waren sie in dieser Nacht etwas aktiver, so dass wir sie bald wieder in Ruhe ließen und ohne Foto nach Hause fuhren. 

 

Zuhause angekommen packten wir die Actioncam aus, ebenso glücklich über den Fund wie auch etwas enttäuscht über die wenigen Bilder. Alle Hoffnung lag nun in den Videoaufnahmen, die wir umgehend sichteten. Und tatsächlich - zwei Steinkäuze filmten wir beim Verlassen und Wiederaufsuchen der kleinen Höhle. Sie hatten die kleine Videokamera nicht einmal bemerkt. Hier ist ein Screenshots aus den Videoaufnahmen.